Was wir wollen ...
Zielorientierungen für unsere Kirche

Nur eine Kirche, "die ihren eigenen Auftrag auf neue Weise ernst nimmt, kann auch ihren Ort in der Gesellschaft überzeugend wahrnehmen" (Wolfgang Huber). Zugleich wird die evangelische Kirche aber auch die Strukturen und Formen ihrer Arbeit überprüfen müssen, wenn sie zukunftsfähig werden will. Es geht auch um eine Verbesserung kirchlicher Arbeit. Sie kann nur gelingen, wenn die Kirche in ihren Strukturen den "Wandel von der Behördenstruktur und Beamtenmentalität zur mitgliederfreundlichen, unternehmerischen und d. h. zur initiativen, effektiven und flexiblen Organisation" (Rüdiger Schloz) vorantreibt.

1. Kleingläubig und in vorauseilender Skepsis haben wir es zu lange als unveränderbar angesehen, dass die Akzeptanz der Kirche weiter schwindet, der Traditionsabbruch weiter um sich greift und die Kirchenaustritte sich auf hohem Niveau stabilisieren werden. Das wichtigste Ziel der anstehenden Strukturreform ist es, die Voraussetzungen dafür zu verbessern, dass dieser Trend gebrochen wird und die Kirche ihren Auftrag effizienter wahrnehmen kann. Dazu gehört aber auch, dass wir "unsere eigene Botschaft" ernst nehmen, die Kirche offensiv in der Öffentlichkeit vertreten und der Durchsetzungskraft des Evangeliums wieder mehr vertrauen.

Wir wollen wachsen gegen den Trend!

2. Die Bereitschaft zu Reformen wächst in der Kirche. In vielen Gemeinden und kirchlichen Arbeitsfeldern geschehen zur Zeit Aufbrüche. Viele wollen nicht mehr weitermachen wie bisher. Doch zugleich präsentiert sich die Kirche an vielen anderen Stellen in ihren Angeboten und Formen noch wie eine Institution der Vergangenheit. Wir brauchen Innovationswettbewerbe in der Kirche, um in den eigenen Strukturen und Arbeitsformen zukunftsfähig zu werden.

Wir wollen eine konsequente Förderung von Ideen und Initiativen in der Kirche!

3. Kirchliche Arbeit vollzieht sich bisher in einem breit gefächerten Veranstaltungsangebot - mit häufig parallelen Strukturen und einem oft unverbindlichen Erscheinungsbild. Als Volkskirche brauchen wir weiterhin Pluralität und ein differenziertes Angebot - aber auch ein klares Profil. Deshalb können nicht mehr alle flächendeckend alles machen.

Wir wollen Differenzierung und Profilierung kirchlicher Arbeit und gezielte Bündelung von Personen und Ressourcen!

4. Bisher haben wir uns in der Kirche stark auf die Funktion der Ortsgemeinde als Kerngemeinde (Parochie) gestützt. In Zukunft gilt es, über die Parochie hinaus Zugänge zur Kirche zu schaffen und diese durch andere Formen von Gemeinde zu stärken.

Wir wollen eine neue Zuordnung von parochialen und regionalen Aufgaben, von gemeindlichen und funktionalen Diensten!

5. Kirchliche Arbeit vollzieht sich, verglichen mit anderen gesellschaftlichen Arbeitsfeldern, in großer Freiheit. So begrüßenswert dieses ist, hat es auch seine Kehrseiten. Unüberprüfbare Beliebigkeit und persönliche Neigungen bestimmen die Arbeit. Es gibt zu viele Menschen in der Kirche, die ohne Überprüfung das machen, was sie wollen. Wir brauchen in Zukunft viel mehr als bisher Zielorientierung in der kirchlichen Arbeit, die auch Formen der Überprüfung beinhaltet.

Wir wollen verbindliche Standards und Zielvereinbarungen sowie regelmäßige Überprüfung kirchlicher Arbeit!

6. Die Diskussion über zurückgehende Zahlen, schwindende Akzeptanz und notwendige neue Aufgaben in der Kirche schlägt sich bisher gerade bei den engagiert Mitarbeitenden als verstärkter Druck zu mehr Arbeit und größeren Anstrengungen nieder. Doch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlen sich zurzeit mit ihrer Arbeit in der Kirche nicht wirklich gewürdigt. Sie haben ein Recht auf regelmäßige und wertschätzende Gespräche. Reformen, Umstrukturierungen und auch Einbußen müssen von Respekt vor oft langjähriger Arbeit begleitet werden. Wir brauchen eine neue Kultur der Aufmerksamkeit in der Kirche.

Wir wollen regelmäßige, persönliche Arbeits- und Laufbahngespräche!

7. Bisher wurden Initiative und Leistung in der Kirche zu wenig belohnt, besondere Qualifikationen und Begabungen zu wenig beachtet und gefördert. In Zukunft muss sich die Kirche um die Motivation ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr bemühen, besonderes Engagement würdigen, Begabungen und Kompetenzen besser nutzen und gezielter fördern. Es kann nicht beliebig sein, ob Mitarbeitende viel oder wenig tun, Initiative ergreifen oder alles laufen lassen.

Wir wollen eine aufmerksame Wahrnehmung und Förderung besonderer Begabungen, Qualifikationen und Leistungen in der Kirche!

8. Die Kirche braucht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in ihren Arbeitsfeldern mit zeitgemäßen Mitteln auf hohem Niveau professionell arbeiten. Professionelle Fortbildung ist aber bisher in der Kirche noch zu sehr in das Belieben der Mitarbeitenden gestellt.

Wir wollen deutliche Fortbildungsverpflichtung!

9. Das größte Kapital der Kirche sind die Menschen, die in ihr arbeiten, besonders die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eine Mitarbeitendenentwicklung gibt es in der Kirche aber erst in Ansätzen. Ohne Zweifel wird die Kirche ihre Aufgaben in Zukunft eher mit weniger als mit mehr bezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bewältigen müssen. Im Blick auf die Zukunft gibt es darum für die Kirche kaum eine wichtigere Aufgabe, als Mitarbeitende zu gewinnen, zu qualifizieren, gezielt zu fördern und zu pflegen.

Wir wollen eine zukunftsorientierte Personalentwicklung und mehr Beteiligung von "Laien" in der Kirche!

10. In den letzten Jahren sind in der evangelischen Kirche eine Vielzahl von Themen diskutiert, Vorlagen produziert und Beschlüsse gefasst worden, deren praktische Umsetzung entweder unendlich zäh verlief oder kaum zu deutlichen Veränderungen geführt hat. Wir müssen daher in der Kirche eine strategische Planungskompetenz entwickeln, sodass bei Vorlagen und Beschlüssen gleich mit überlegt wird, wie sie bekannt gemacht, vor Ort umgesetzt und überprüft werden können.

Wir wollen klare Auftragsbeschreibungen und strategisches Planungsdenken auch in der Kirche!

11. Die presbyterial-synodale Ordnung unserer Kirche ermöglicht eine breite Mitwirkung. Diese darf aber nicht dazu führen, dass drängende Entscheidungen verzögert und die notwendige Wahrnehmung von Leitung in der Kirche erschwert werden. Zwischen notwendiger Mitwirkung und schneller Entscheidungsfähigkeit gilt es eine neue Balance zu finden.

Wir wollen Beteiligung möglichst vieler an den Entscheidungsprozessen, aber auch die Wahrnehmung von Leitung in der Kirche!

12. Zu Recht wird in der evangelischen Kirche Wert gelegt auf die Beteiligung möglichst vieler an den Entscheidungsprozessen. Aber inzwischen ist die Vielzahl von Ausschüssen, Gremien, Arbeitsgruppen und Beiräten auch für Insider nicht mehr zu überblicken. Häufig haben die Ergebnisse dieser Gremien keine Relevanz für die Kirchenmitglieder, sondern dienen eher dem reibungslosen Ablauf des innerkirchlichen Betriebs. So entsteht der Eindruck: "Kirchenleute machen Kirche für Kirchenleute."

Wir wollen eine Durchforstung von Ausschüssen, Gremien, Arbeitsgruppen, Beiräten und eine Orientierung an zwingenden Anlässen und klaren Notwendigkeiten!

13. Die Kirche begegnet ihren Mitgliedern zu oft mit der Schwerfälligkeit einer nach Zuständigkeiten und bewährten Regeln reagierenden Behörde. Auf berechtigte Anfragen, neue Entwicklungen oder Einwirkungen von außen reagiert sie häufig eher defensiv oder zu spät. Um den veränderten Mitglieder- und Teilnahmeinteressen gerecht zu werden, muss die Kirche aus der Defensivmentalität herauskommen und sowohl zeitgemäße Kommunikationsformen als auch freundliche und flexible Dienstleistungsformen im Kontakt zu ihren Mitgliedern entwickeln.

Wir wollen Flexibilität und Initiative in der Kirche!

14. Die Kirche braucht sich mit ihrer Arbeit in der Öffentlichkeit nicht zu verstecken. Mit vielen gemeindlichen, funktionalen und sozialen Diensten leistet sie eine unverzichtbare Arbeit für die Gesellschaft. Sie tut sich aber schwer damit, den Wert und das Gewicht dieser Arbeit auch selbstbewusst in der Öffentlichkeit zu vertreten. Eine innere Distanz kennzeichnet auch die Beziehung vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Kirche. Viele von ihnen geben sich in der Öffentlichkeit nicht als Mitarbeitende der Kirche zu erkennen. Ein selbstbewusstes Eintreten für den Wert kirchlicher Arbeit und die Identifikation mit den gemeinsamen Zielen sind jedoch unumgänglich, wenn wir in der evangelischen Kirche ein Wir-Gefühl entwickeln wollen.

Wir wollen Identifikation mit den gemeinsamen Zielen und Stärkung des Wir-Gefühls in der Kirche!

15. Wir haben es zu lange hingenommen, dass die evangelische Kirche in der Öffentlichkeit und vor allem bei jüngeren Menschen kein überzeugendes Image hat. Die Kirche hat ein verstaubtes Erscheinungsbild. Eine Veränderung hängt nicht zuletzt auch von einer professionellen Öffentlichkeitsarbeit ab. In Zukunft sollte die Öffentlichkeitsarbeit daher zu einer strategisch zu planenden und umzusetzenden Schwerpunktaufgabe jeder Gemeinde, jedes Kirchenkreises und der Landeskirche werden.

Wir wollen eine neue professionelle Öffentlichkeitsarbeit in der Kirche!

 

Stellungnahmen

 

Stellungnahme der Kreiskantorenkonferenz (PDF-Datei 88 KB)

 

Stellungnahme des Kirchenmusikerkonventes im Kirchenkreis Hattingen-Witten (PDF-Datei 28 KB)